Die Promotion (Teil 2) – Finanzierung, Thema, Selbsterfahrung

Die Promotion (Teil 2) – Finanzierung, Thema, Selbsterfahrung

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Wie Sie bereits in Teil 1 des Artikels erfahren haben, ist der Zeitpunkt für eine Promotion enorm wichtig für den Erfolg. Wer eine Doppelbelastung hat, weil er sich auch dem Referendariat oder einem neuen Job widmen muss, hat das Nachsehen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich vorab auch über die Finanzierung Gedanken gemacht zu haben.

Die Finanzierung

Man sollte bedenken, dass so ein Promotionsvorhaben 1-5 Jahre dauern kann. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Doktorarbeit zu schreiben, muss die Zeit und insbesondere auch das Geld haben, dies zu realisieren. Von der Motivation und der Disziplin ganz zu schweigen. Ein Kommilitone von mir schrieb während des Referendariats an seiner Doktorarbeit. Das war recht hart, da er auch noch – parallel zum Referendariat – jobbte, um sich finanzieren zu können. Er unterlag somit quasi einer Dreifachbelastung, meisterte aber alles und ist heutzutage ein erfolgreicher promovierter Anwalt.

Den jungen Verwöhnten zahlen die Eltern auch nach dem Examen noch den kompletten Unterhalt, alle anderen jobben nebenbei an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiter oder anderswo. Manche sind auch in der komfortablen Situation, dass sie ein Stipendium erhalten. Der Stress, den die Finanzierungfrage manch einem bereiten kann, ist nicht zu unterschätzen. Nicht nur, dass man sehen muss, wie man sich finanziell über Wasser hält, sondern es fehlt denjenigen, die neben “der Diss” arbeiten müssen, eben an dem Mehr an Zeit und insbesondere auch an Energie und Ruhe. Insofern sollte ein Personaler jedem Bewerber seinen Respekt zollen, wenn dieser während des Schreibens an der Doktorarbeit noch jobbte. Das ist wirklich Durchhaltevermögen par excellence.

 

Das Thema

Hilfreich ist es, ein praxisrelevantes Thema zu wählen, zu dem schon einiges an Literatur und Rechtsprechung vorliegt. Im Vorfeld sollte man dazu – zusätzlich zum Doktorvater – den Kontakt zu Praktikern suchen. Natürlich sollte einem das Thema auch liegen, sonst wird es eine harte Zeit. Insofern ist davon abzuraten, ein Thema rein aus Karriereaspekten zu wählen. Möglicherweise schlägt auch der Doktorvater ein Thema vor. Dies ist dann unter den o.g. Aspekten zu prüfen. Im Internet finden sich viele Hinweise zu Themenfindung und Vorgehensweise.

 

Selbsterfahrung

Nicht zuletzt erfährt ein Jurist während der Zeit, in der er an seiner Dissertation arbeitet, nicht nur ein gerüttelt Maß an Fachwissen, sondern letztlich auch viel über sich selbst. Zweifel und Freude wechseln sich ab. Es herrscht permanent ein latenter (Zeit-)Druck und man muss es vor allem auf die Reihe bekommen, sich vernünftig zu organisieren, insbesondere, wenn man nebenbei noch arbeiten muss. Die Fähigkeit, sich zu motivieren, zu strukturieren und zu organisieren, wird dem frischgebackenen “Dr. iur.” dann auch in seiner späteren (Anwalts-)Tätigkeit hilfreich sein.

 

Nicht zuletzt ist es aber auch eine Zeit, die man genießen sollte. Genießen? Wie das? Nun, nie wieder hat man so viel Freiheit (und Freizeit), eignet sich gezielt so viel Wissen an und gießt das dann in das eigene Buch. Der Doktortitel mag zwar nicht mehr zwingend nötig sein, um heutzutage Karriere zu machen, doch er zeichnet seinen Träger immer noch aus und ist bei der Allgemeinheit noch hoch im Kurs, insbesondere, wenn es sich um Juristen handelt. Insofern sollten Sie, wenn Sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, zu promovieren, nicht zweifeln, sondern – gewappnet mit dem Wissen, was Sie vermutlich erwarten wird – frohen Mutes zur Tat schreiten. Es wird Sie auf jeden Fall weiterbringen: fachlich, menschlich und finanziell.

 

Alles Gute!